(2) Interesse wecken mit dem ersten Screen

Seien Sie aufrichtig: Wie oft lesen Sie nur den Anfang einer Website, E-Mail oder eines Postings? Manches muss man vollständig durcharbeiten, aus beruflichen Gründen zum Beispiel. Deutlich besser aber ist es, wenn der Einstieg von sich aus Lust aufs Weiterlesen macht: Darum geht es in diesem 2. Teil zum “Schreiben für den Bildschirm”.

Den Leser einfangen – aber mit klarer Ansage! Mogelpackungen und falsche Ankündigungen werden gnadenlos abgestraft.

Ein Bild sagt 1000 Worte – auf dem Platz von 100

Was Ihre Leser beim Öffnen der Seite ohne Scrollen sehen, ist der sogenannte Start-Screen. Dieser – oft winzige – Ausschnitt entscheidet über Hopp oder Topp.

Gerne werden hier Bilder eingesetzt, um die Leser anzusprechen. Im Prinzip richtig, nur ist mit einem Bild meist doch nicht alles gesagt. Gleichzeitig braucht es deutlich mehr Platz als ein paar Sätze – ein Platz, der Ihrem Text im Start-Screen fehlt. Wenigstens zwei Elemente sollte der nach Möglichkeit zeigen:

1 – Die aussagefähige Hauptüberschrift

Die Hauptüberschrift ist derjenige Text, den selbst die flüchtigsten Leser wahrnehmen und sich merken. Letzteres sollten Sie nicht unterschätzen. Oft kehren eilige Leser später zu einem Artikel mit einer vielversprechenden Überschrift zurück. Eine solche Überschrift ist vor allem so klar und spezifisch wie möglich:

  • Sie kann ein kurzer Satz sein, der eine Zusammenfassung oder ein Fazit Ihres Texts enthält.
  • In manchen Fällen reicht ein treffendes Stichwort.
  • Beliebt und wirksam sind Überschriften, die neugierig machen. Auch hier gilt, dass Klarheit besser wirkt als Allgemeinplätze.

Erfolg mit Social Media” scheint z. B. eine gute Überschrift zu sein – kurz und mit einem eindeutigen Thema. Doch leider reicht das nicht. Wer sich ein wenig mit Social Media beschäftigt, kennt wahrscheinlich bereits Dutzende solcher Artikel. Unter einer derart generellen Formulierung wird er nicht viel Lesenswertes erwarten. Anders dagegen:

  • Kunden binden mit Social Media … sagt genauer, worum es geht.
  • Erfolg mit 6 bewährten Social Media Rezepten … ist zwar inhaltlich ungenau, doch es verspricht praktischen Nutzen durch die Zahl der “Rezepte” und die Sicherheit des Bewährten.

Die Wahl einer schwammigen Überschrift hat neben Bequemlichkeit oft einen weiteren Grund: Man möchte möglichst viele Leser ansprechen. Durch “Kunden binden mit Social Media” verliere ich all diejenigen, die sich gezielt für Leadgewinnung oder Umsatz interessieren. Wenn der Artikel aber tatsächlich die Kundenbindung in den Mittelpunkt stellt, sind diese Leser kein Verlust.

2 – Die Botschaft der ersten Sätze

Der zweite entscheidende Erfolgsfaktor ist der Texteinstieg. Wieviel Mühe allein ein guter erster Satz macht, weiß wohl jeder aus Erfahrung, der gelegentlich offizielle Briefe oder Texte zu schreiben hat. Bewährt hat sich dafür ein sogenanntes “Lasso” – ein Satz, der den Leser mit einer unerwarteten Information oder Anrede einfängt:

  • Gefühle gibt es auch bei Tieren – über alle Artengrenzen hinweg.1
  • Rund 80 % aller geteilten Postings werden vorher nicht gelesen.2
  • Haben Sie heute schon ein Gesetz gebrochen? Wahrscheinlich doch!

Beim Schreiben für den Bildschirm geht die Herausforderung jedoch weiter. Auch die nächsten zwei bis drei Sätze müssen “sitzen”. Sie sollten den Inhalt des folgenden Texts umreißen oder wenigstens andeuten. Sogar ein vollständiges Abstract – als Zusammenfassung der Schlussfolgerungen – ist möglich.

Wenig zielführend sind dagegen Allgemeinplätze (“Auch im Jahr XX stehen wir vor großen Herausforderungen …”) oder eine Information bzw. Fall-Story, aus der nicht hervorgeht, in welcher Form der folgende Artikel einen Mehrwert daraus ableitet, wie etwa:

  • Malermeister Müller hat sich vor zwei Jahren einen Dieseltransporter gekauft. Jetzt ist er verzweifelt, denn Fahrverbote drohen. [Ende des Bildschirmausschnitts]

… danach weiß ich nicht, ob es über Rechtsfragen weitergeht, über technische Lösungen, die wirtschaftlichen Folgen des Dieselskandals oder die Unfähigkeit der Regierung. Wenn mich das meiste davon aber nicht interessiert, werde ich mir gar nicht erst die Mühe machen weiterzuscrollen.

Alles Einfangen und Begeistern des Lesers nutzt jedoch nichts, wenn er beim Weiterscrollen in einer Textwüste landet, die dem Auge keine Hilfen bietet. Wie Sie das verhindern, erläutere ich im 3. Teil zum “Schreiben für den Bildschirm”.

1 SZ-Magazin, Ausgabe 44/2011, in sz-magazin.sueddeutsche.de
2 Chartbeat Studie 2014
Bildquelle: pixabay

Der Autor: Michael A. Schmidt entwickelt seit 1994 werbliche Strategien und Inhalte für  digitale Medien – seit 2011 als freier Werbetexter und Kommunikationsberater. www.freier-texter-frankfurt.de

Neue Reihe: Mehr Lesezeit für Ihre Botschaft

Nur 8 Sekunden lang achten Menschen heute am Bildschirm auf eine Botschaft – weniger lang als ein Goldfisch1. Über Ihr Angebot haben Sie aber mehr zu sagen. Und Suchmaschinen belohnen vor allem aussagefähige Inhalte. Wie also schreiben, damit Ihr Text auf Monitoren, Tablets und selbst Smartphones gelesen wird?

Lesen am Bildschirm - anstrengender, als man oft vermutet.
Lesen am Bildschirm – anstrengender, als man oft vermutet.

Lesen Sie noch? Denn darum geht es!

Die besten Textertipps dazu stelle ich Ihnen in nächster Zeit in dieser Blog-Reihe vor. Aber weshalb brauchen Bildschirm-Medien überhaupt eine andere Art Texte? Lesen ist doch Lesen, oder?

Stimmt nicht! In vier wesentlichen Bereichen ist die Wahrnehmung von Geschriebenem hier anders als auf Papier:

1 – Lesen am Bildschirm ist anstrengend

Das sagt uns nicht nur unser Gefühl. Es wird auch von Studien bestätigt2. Vor allem bei längeren Texten sind sich die meisten einig: Die liest man lieber auf Papier. Als Grund sind die üblichen Verdächtigen schnell ausgemacht:

  • schlechte allgemeine Lichtverhältnisse,
  • Bildschirme mit zu geringer Leistung,
  • zu kleine Schrifteinstellung,
  • Ablenkung durch Farbflächen und Effekte rund um den Text,
  • zu farbiger, gar dunkler Schrifthintergrund.

Doch nicht nur sensorische Faktoren beeinträchtigen den Leseablauf. Auch die geringe Größe des Textfensters behindert. Denn Lesen ist in Wahrheit ein mehrstufiger Prozess, bei dem die lineare Aufnahme “Wort für Wort” erst am Ende steht.

2 – Beim Überfliegen fehlt die Übersicht

Unser Gehirn ist es gewohnt, größere Textflächen in kaum messbaren Bruchteilen von Sekunden zu überfliegen. Dabei werden bereits wesentliche Merkmale bestimmt wie z. B.

  • eine gute oder schlechte allgemeine Lesbarkeit (durch Satzlänge und Interpunktion),
  • Textzusammenhang und Kerninhalte (durch Stichworte, meist in prominenter Position wie Überschriften oder Absatzränder),
  • die “Landkarte” des Texts, d.h. wo etwa welche Inhalte stehen, orientiert an Absätzen und dem Profil der Zeilenenden.

Ein kleiner Bildschirm oder ein kleines Textfeld schneidet jedoch sehr viel ab von diesen unbewussten Orientierungshilfen. Unser Gehirn muss von Anfang in die nächsthöhere Verarbeitungsstufe schalten. Es muss sich mehr anstrengen … und wir verlieren schneller die Lust am Buchstabengewusel.

3 – Bewegte Bilder und andere Verführer

Anders als in Printmedien muss geschriebener Text am Bildschirm zusätzlich mit harter Konkurrenz kämpfen:

  • Online-Videos sind viel attraktivere Hingucker.
  • Links locken mit noch interessanteren Informationen.
  • Irgendwo in der Ecke blinkt die nächste neue Nachricht auf, die gelesen sein will.

Diese Ablenkungen sind allein schon irritierend genug. Doch jeder, der im Internet unterwegs ist, kennt den teuflischen Effekt: Hinter dem ersten Filmchen oder Link lauern weitere. Man liest hastig zu Ende und springt zum nächsten Inhalt. Oder man unterbricht das Lesen und folgt der Verlockung unmittelbar.

Die Folge ist nicht nur eine geringe Konzentration auf Ihre Texte. Vor allem stehen alle Inhalte untereinander in Konkurrenz um die Zeit der Nutzer. Diese müssen schon im Vorfeld abwägen, womit sie ihre verfügbare Zeit verbringen. Dass dabei leicht lesbare Texte besser wegkommen als die sprichwörtliche  Bleiwüste, liegt auf der Hand.

4 – WWW statt A bis Z

Als Nutzer gefragt wurden, wie oder warum sie am Bildschirm lesen, war der wichtigste positive Grund2: “Man sucht sich gezielt aus, was man liest.” (vgl. Tabelle)

Ein schneller Überblick ist das Wichtigste beim Lesen von Texten am Bildschirm: Anklicken zum Vergrößern!
Ein schneller Überblick ist das Wichtigste beim Lesen von Texten am Bildschirm: Anklicken zum Vergrößern!

Hinter dieser harmlos klingenden Formulierung verbirgt sich die Revolution einer uralten Kulturtechnik: Texte werden nicht mehr zwingend als geordnetes Ganzes betrachtet, das man von A bis Z lesen sollte – selbst nicht in der letzten, gründlichsten Lesestufe. Viele Nutzer folgen nur noch einem WWW: “Was wir wollen”. Das Auge springt hin und her, häufig begleitet von Scrollen oder Wischen.

Gewiss hat ein klassischer Aufbau immer noch seine Berechtigung. Doch wer heute mit einem Text auf Bildschirmen wahrgenommen werden will, muss beide Leseformen berücksichtigen: das systematische Lesen wie das sprunghafte WWW.

Wie Sie dennoch möglichst viele Leser in Ihren Text (ver-) führen, schildere ich im nächsten Blogbeitrag.

1 Microsoft 2015, zitiert u. a. in gruenderlexikon.de vom 05.12.17
2 z. B. IfD Allensbach: 2013 (1.487 Befragte; ab 16 Jahre) und 2014-2017 (ab 14 Jahre; deutschsprachige Bevölkerung)
Bildquellen: pixabay, Statista

Der Autor: Michael A. Schmidt entwickelt seit 1994 werbliche Strategien und Inhalte für  digitale Medien – seit 2011 als freier Werbetexter und Kommunikationsberater.

www.freier-texter-frankfurt.de

KMB| feiert fünfjähriges das Jubiläum des Wiesbadener Facebook-Stammtisches b.FAST

Die Referenten der b.FAST-Jubiläumsfeier.
Die Referenten der b.FAST-Jubiläumsfeier.

Anfang Mai war es so weit: Der Business Facebook Stammtisch – b.FAST – wurde fünf Jahre alt. Seit 2011 organisieren Dr. Klaus M. Bernsau, die langjährige KMB|Mitarbeiterin Inna Weyrauch und der KMB|Netzwerk-Partner und freie Texter Michael A. Schmidt den entspannten, monatlichen Stammtisch zum Thema Facebook und soziale Medien im Business-Kontext. Zum fünfjährigen Geburtstag kamen nun erneut zahlreiche b.FASTler zu einem Jubiläumsstammtisch im Biebricher Ratskeller zusammen. Nach einem Sektempfang und ein paar freundlichen Worten zur Begrüßung begann auch schon das spannende Programm rund ums Thema Social Media.

Den kompletten Bericht zur b.FAST-Jubiläumsfeier lesen Sie hier.

„Frontalunterricht war gestern! Die Unkonferenz iKoKo und das Barcamp-Format“ – so war b.FAST im November

Wie bereits angekündigt startete im Oktober unsere Vortragsreihe mit dem Motto „Der Blick über den Tellerrand von Facebook – Aktuelle Trends von Social Media und Online-Kommunikation“. Den Anfang machte Michael A. Schmidt mit seinem Impulsvortrag zu Sozialen Medien heute.

Im November stellte uns Frank Hamm (Frank Hamm Kommunikation und Kollaboration) nun das Thema „Frontalunterricht war gestern! Die Unkonferenz iKoKo und das Barcamp-Format“ vor. In seinem Impulsvortrag berichtete er zu Anfang von iKoKo. Eine Unkonferenz beschreibt das Gegenteil einer typischen Konferenz: es gibt kein fest vorgeschriebenes Programm und auch die Referenten ergeben sich erst spontan – nur um einige Beispiele zu nennen.

b.FAST im November im kleinen König in Wiesbaden
b.FAST im November im kleinen König in Wiesbaden

In diesem Zusammenhang hat Frank Hamm auch das Barcamp-Format geschildert und kurz das OpenSpace-Format umrissen. Dabei zeigte er sowohl Überschneidungen als auch Differenzen dieser beiden Konferenz- bzw. Unkonfrenz-Formate auf. Während OpenSpace insgesamt mehr einen Workshop-Charakter aufweist, geht es beim Barcamp tatsächlich um das Präsentieren – sei es eines bestimmten, ganzheitlichen Themas, nur einer groben Idee oder auch einer Fragestellung. Die Referenten melden sich zu Beginn eines Barcamps freiwillig und werden je nach Anzahl der Interessierten ausgewählt. Anschließend finden die Sessions mit diesen Referenten statt, die die anderen Teilnehmer besuchen können. Entspricht eine Session nicht den eigenen Erwartungen, erlaubt es die lockere Atmosphäre einer Unkonferenz, diese Session zu verlassen und zu einer anderen zu gehen oder einfach am Kaffeeautomaten ein Gespräch anzufangen.

 

Wir danken Frank Hamm auch auf diesem Weg noch einmal für seinen interessanten und aufschlussreichen Vortrag!

Außerdem freuen wir uns jetzt schon auf den Dezember-Termin (14.12.), bei dem wir alle b.FASTler recht herzlich zum Glühwein-Umtrunk auf dem Wiesbadener Sternschnuppenmarkt einladen! Der genaue Treffpunkt wird noch bekanntgegeben. Im Januar geht es dann weiter mit unserer Vortragsreihe – am 11.1. wird uns Manuel Conrad (CEO bei Merkurist.de) das Thema „Das Online-Nachrichtenportal Merkurist.de: Journalismus im Zeitalter der Online-Kommunikation“ vorstellen.

Wie immer freuen wir uns auf Sie!

Soziale Medien heute: die neue Glotze

Fast jeder ist heute “im Netz” und hat in mindestens einem Sozialen Medium schon mal ein Profil angelegt. Doch der inter-aktive Schein trügt, und das in mehr als einer Hinsicht. Denn nicht nur zeigt sich bei genauem Hinsehen, dass die meisten Nutzer lieber konsumieren als agieren. Oft sind sie auch längst weiter gezogen, und wer ihren Spuren folgen will, verheddert sich bald in einem heillosen Durcheinander, da jede Studie andere Medien ein- oder ausschließt.

Diese und andere interessante Erkenntnisse standen im Mittelpunkt unseres Oktober-b.FAST, bei dem es nach längerer Zeit wieder einen Impulsvortrag gab. Michael A. Schmidt berichtete im Kleinen König in der Wiesbadener Mauergasse über einige überraschende Erkenntnisse, wie Nutzer sich heute in Sozialen Medien verhalten.

Teilen und vergessen – ein typisches Phänomen

"Lesen wir die Beiträge, die wir teilen?" - Quelle: OnlineMarketing / Chartbeat 2014

“Lesen wir die Beiträge, die wir teilen?” – Quelle: OnlineMarketing / Chartbeat 2014Gerade Teilen bzw. Reposten ist doch ein sehr sozialer Akt … würde man meinen. Irrtum! An dem Beispiel zeigt sich anschaulich, wie weit die in Medien oft beschworene “soziale” Haltung der Nutzer von der Realität entfernt ist: So fand eine Studie heraus, dass gerade Nutzer, die Artikel fleißig teilen (gelbe, orange und rote Punkte), sich kaum mit Inhalten beschäftigen und auch insgesamt sehr wenig in den jeweiligen Medien engagieren. Wer dagegen oft im Netz ist, teilt Beiträge immer seltener.

Wenn überhaupt etwas geteilt wird, dann Inhalte, die äußerlich bewegen: interessante Bilder oder Statements sowie Momente aus dem eigenen Leben vom Abendessen bis zur Hochzeit oder dem Luxusurlaub. Oft steht hinter dem Teilen auch einfach der Wunsch, sich bei Netzfreunden in Erinnerung zu bringen oder eine bestimmte Sache zu unterstützen: “Mich gibt es noch!” und “Dafür/dagegen bin ich auch!” sind die häufigsten und oft auch die einzigen Botschaften.

Der Impulsvortrag von Michael A. Schmidt ist in vollem Gange.
Der Impulsvortrag von Michael A. Schmidt ist in vollem Gange.

Smalltalk is the Big Thing

Betrachtet man das ganze Bild, steht der Austausch mit Netzfreunden immer noch auf dem ersten Platz der Nutzungsinteressen. Danach haben vor allem Frauen den Wunsch, sich über Veranstaltungen und Angebote zu informieren, eigene Bilder hochzuladen sowie ihre Freunde um Rat und Hilfe zu bitten. Männer wollen sich eher über das Tages- und Weltgeschehen informieren, neue Kontakte knüpfen, berufliche Kontakte pflegen und Daten austauschen.

Unterschiede sind zwischen den Geschlechtern jedoch nur graduell; sie lassen sich eher an der Altersgruppe und den genutzten Medien festmachen. So ist der Messenger WhatsApp heute das mit Abstand am meisten genutzte Soziale Medium in Deutschland, gefolgt von YouTube. Facebook findet sich auf einem bescheidenen dritten Platz. Und selbst die Business-Plattform Xing, in der Gesamtnutzung auf Platz fünf, wird gern zum eher privaten Austausch genutzt (Rang 2 nach eigenen beruflichen Themen wie Jobsuche, Fortbildung, Arbeitswelt, Büroleben etc.).

Man klickt sich so durch

Privater Austausch unter Freunden – welches Unternehmen wünscht sich nicht, dabei sein zu dürfen und damit treue, engagierte Kunden ans eigene Angebot zu binden? Leider funktioniert es nicht. Nur wenigen Community Managern gelingt es, das spezielle Wir-Gefühl zu wecken, das sich wenigstens so ähnlich anfühlt wie ein privater Bekanntenkreis. Zum Teil liegt dies wohl an der Art der Themen – vor allem aber an der verbreiteten passiven Grundhaltung der Nutzer.

Dabei ist niemandem ein Vorwurf zu machen.  Zwei bis fünf Medien nutzen die meisten parallel – doch längst nicht immer dieselben. Gut zwei Dutzend Soziale Medien fallen in Deutschland in den “Relevant Set”, und immer wieder lockt ein hipper Newcomer wie zur Zeit Snapchat zum Weiterwandern. Das Überangebot hat seinen Preis: Die Zeit wird knapp, vor allem die fürs aktive Mitmachen. YouTube ist längst für die meisten das neue Lean-Back-Medium. Und auch in Facebook sowie fast allen anderen Kanälen wird vorzugsweise passiv konsumiert – immer häufiger auch überhaupt nicht mehr.

Willkommen im Chaos Counting Club

Die b.FAST Teilnehmer
Die b.FAST Teilnehmer

Wer nun als Werbetreibender in diesem Umfeld seine Kunden erreichen will und dazu ein paar Orientierungspunkte sucht, hat ein weiteres Problem – ob es ihm auffällt oder nicht: Es gibt keinen verbindlichen Kanon, welche Medien oder Anwendungen man zu den Sozialen zählt und welche nicht. Manchmal werden Messenger wie WhatsApp und Videoplattformen wie YouTube einbezogen, manchmal gelten sie als separate Kategorien. In einigen Studien wird Google+ verwunderlich weit oben eingeordnet, in anderen gar nicht erfasst. Ein ähnliches Schicksal teilen Pinterest oder Tumblr. US- oder globale Zahlen sind oft nicht als solche gekennzeichnet; mit Glück erkennt man sie daran, dass z. B. das international wichtige LinkedIn genannt wird, nicht aber Xing.

Wer sich für seine Social-Media-Werbeplanung keine Fachagentur leisten will, muss also seine Quellen selbst sorgfältig prüfen: Woher genau kommen die Leistungswerte, auf die er sich stützt? Welche Medien und Kenngrößen wurden erfasst? Und wie alt sind die ursprünglichen Zahlen? Denn oft verbergen sich hinter aktuellen Vergleichsstudien Ausgangswerte, die einige Jahre alt und in der Social Media Welt damit überholt sind.

Interpassivität – Herausforderung für kommerzielle Seitenbetreiber

Gut zwei Drittel der Deutschen bewegen sich regelmäßig im Internet und nutzen mindestens ein Soziales Medium, jüngere bis 30 zu über neunzig Prozent. Durch herkömmliche Display-Werbung erreicht man sie zwar kaum, doch sie erwarten ganz selbstverständlich, jeden Anbieter dort zu erreichen. Kein Firmenauftritt ist also auch keine Lösung.

Die vorherrschende Haltung der Nutzer ist eine eher “interpassive” als interaktive: Er bestimmt, wo, wann und wie lang, aber dann lässt er sich lieber berieseln. Für kommerzielle Seitenbetreiber ist das gut und schlecht zugleich: Gut, weil kaum Dialoge stattfinden, die aufwändig zeitnah betreut werden müssten. Schlecht, weil diese Berieselung immer neue Ideen und Impulse erfordert, wenn sie eine Chance haben will, die Nutzer an sich zu binden.

Nutzer wollen auf Augenhöhe “von Mensch zu Mensch” angesprochen werden. Von Unternehmen erwarten sie nützliche oder unterhaltsame Informationen, also einen “Content” mit Mehrwert – nur keine anstrengenden Details oder gar Verkaufe! Unerlässlich dazu sind ein langfristig tragfähiges Konzept mit guten Inhalten und eine Strategie, um mit möglichst wenig Aufwand mehrere Kanäle zu bespielen.

Quellen

ACTA 2015 (AfD Allensbach)
Adobe Digital Index: Best Of The Best 2015
allfacebook / GO Gulf 2014
ARD ZDF Online Studie 2015 (GfK)
Bitkom Research 2015
Blog2Social / ADENION 2016
Brandboost by Divimove 2015
Buffer Blog 2015
D21-Digital-Index 2015
eResult 2015
Faktenkontor / IMWF Institut für Management- und Wirtschaftsforschung 2016
GlobalWebIndex 2015
Google Consumer Barometer 2016
Gothaer 2016 (Forsa)
G+J Mobile 360° Studie 2014
HubSpot Consumer Behavior Survey, Q1 2016
Nielsen Digital Content Measurement 2015
OnlineMarketing / Chartbeat 2014
Overdrive Interactive 2016
PewInternet.Org 2013 / 2012
Seven One Media 2016 (Forsa)
Shell Jugendstudie 2015
Simmons Connect 2013
Social Media Kompass 2015/2016, BVDW Bundesverb. Digit. Wirtsch. (MEEDIA 2014)
Spotify 2016
TNS Infratest 2016
Toluna 2015
Tomorrow Focus Media 2015
YouGov Assekuranz-Studie 2015

 

b.FAST Bericht – so war’s im Mai und Juni

Dass der b.FAST Stammtisch auch ganz persönlich sein kann, haben die beiden letzten Treffen gezeigt. Sowohl im Mai als auch im Juni konnten einzelne Teilnehmer unsere ganz individuelle Betreuung genießen.

So sieht individuelle Betreuung bei b.FAST aus.
So sieht individuelle Betreuung bei b.FAST aus.

Im Mai setzten wir uns dabei mit der 10-Jahres-Zukunftsvision von Mark Zuckerberg auseinander. Gemeinsam diskutierten wir seine Pläne und erörterten, wie sich diese Vision auf den Mittelstand in unserer näheren Umgebung auswirken könnte. Die Charts dazu finden Sie hier:

 

Im Juni hatten wir dagegen einen offenen Stammtisch angeboten. Dies wurde auch wieder gerne genutzt und so diskutierten wir mit einer Teilnehmerin ihre Start-Up-Idee sowie den Nutzen und die Möglichkeiten von Facebook für ebendiese.

Auch am 13. Juli wird noch einmal vor der Sommerpause (August) ein offener Stammtisch stattfinden, zu dem Sie gerne Ihre Fragen, Anregungen und Wünsche mitbringen können. Wir freuen uns auf Sie!

So war der b.FAST-Stammtisch im September – ein Bericht

Am Mittwoch, dem 9. September, gab es das erste b.FAST-Treffen nach der Sommer­pause, bei dem interessierte Unternehmer Fragen rund um Facebook stellen konnten. Der b.FAST-Tradition nach hat sich jeder Teilnehmer erstmal vorgestellt. Dadurch stellte sich heraus, dass die Mitglieder des Stamm­tisches aus verschieden Branchen kommen wie z.B. aus der Steuer­beratung oder dem Business­coaching.

Die Diskussionsrunde vom b.FAST im Septmber
Die Diskussionsrunde vom b.FAST im September

Bei netter Gesellschaft und leckerem Essen konnte sich entspannt dem Thema des Abends „Facebook“ genähert werden. Eine wichtige Frage der Runde drehte sich um die optimale Nutzung von Facebook für Steuer­berater. Ist Facebook eine gute Plattform, um Business­personen anzusprechen oder sind Gruppen bei Xing letzt­endlich doch ein geeigneteres Medium? Nach langer Diskussion kamen wir zu dem Ergebnis, dass man diese Frage nicht so einfach beantworten kann. Die Social Media Platt­formen haben unter­schiedliche Vor- und Nachteile, die von Branche zu Branche variieren. Wichtig ist, die Resonanz der Leser zu beobachten, um die optimale Nutzung für sich und sein Unternehmen zu finden. Gute Ideen und Tipps für Facebook-Seiten, die zur Vermarktung des Unternehmens dienen, sind aus dem Treffen natürlich auch hervorgegangen. Z.B. kann man im Arbeits­alltag Zeit gewinnen, indem man am Wochenende die Beiträge vorbereitet, die in der kommenden Woche gepostet werden sollen und in Facebook festlegen, wann diese in den Neuigkeiten erscheinen sollen. Diese Funktion findet man, wenn man neben dem Posten-Button das Untermenü anklickt und Planen auswählt. Anschließend kann man in einem neuen Fenster angeben, wann der Bericht veröffentlicht werden soll.

So konnten wir an diesem Abend einige brauchbare Hilfe­stellungen geben und weitere Fragen auch über Facebook hinaus klären. Nun freuen wir uns schon sehr auf das nächste b.FAST-Treffen am 14. Oktober 2015.

Contentmarketing & Storytelling – Thema beim Juli b.FAST

150708 b.Fast Stammtisch_Neuer Wein in alten Schläuchen
Michael A. Schmidt bringt den Teilnehmern Contentmarketing näher

“Contentmarketing” und “Storytelling” sind Schlagworte, die heute in praktisch jedem Fachbeitrag zum Thema Online-Marketing erscheinen. Sie sind offenbar ungeheuer wichtig. Doch was genau ist das überhaupt? Was ist Contentmarketing und was kann es leisten? Und wie kann man Storytelling sinnvoll einsetzen, so dass es auch auf die eigene Marke oder Leistung einzahlt? Für unser Juli-Treffen hat b.FAST Mitveranstalter Michael Schmidt im b.FAST “Wissensspeicher” recherchiert und die wichtigsten Stichworte zu einem kurzen Referat zusammengestellt.

Ausgangspunkt war ein Urlaubserlebnis – die Führung durch die ‘Buffalo Trace’ Bourbon-Destillerie. Da ging es um Maische und Destillation, um Lagerung und Abfüllung, um Historie und Anekdoten. Mit keinem Wort hat der Führer versucht, den Bourbon oder die zahlreichen Merchandise-Artikel zu “verkaufen”. Er hat einfach erzählt. Zum Beispiel, dass Buffalo Trace eine von nur vier Destillerien in den USA war, die während der Prohibitions­zeit weiter Whiskey produzieren durfte – zu “medizinischen Zwecken”. So klingen echte Storys: Informationen, die im Gedächtnis bleiben und den Hörer oder Leser mit der Marke vertraut machen, selbst wenn er nie einen Schluck Whiskey trinken würde.

Danach ging es in die Theorie (siehe Slideshow): Was kann Contentmarketing leisten und was nicht? Was ist “Nontent”, also Füllmaterial, das billig zu haben ist und leider oft für echten Inhalt herhalten muss? Echter Content dagegen muss drei Felder abdecken – nämlich themenbezogene Highlight-, Kern- und Zusatzinformationen – und dazu jeweils in ausreichender Menge vorhanden sein. Dabei ist Storytelling ein Element, das vor allem für Highlight- und Kerninformationen passt. Mit dem Redaktionsplan schließlich zeigt sich schnell, ob das Projekt Aussicht auf Erfolg hat: Sind die Inhalte und Storykonzepte serienfähig und reichhaltig genug für 1-2 Jahre bei mindestens 2 Veröffentlichungs­terminen pro Woche?

Im dritten Teil stand dann wieder die Praxis im Vordergrund: Woher kommen die “Geschichten”? Entlang einer amerikanischen Infografik schauten wir uns einige gute Ideenquellen an: von dritter Seite. Aus dem ganz normalen Alltag. Durch Kopieren bewährter Erzählmuster. Und durch gezieltes Anregen der eigenen Inspiration. Notfalls hilft natürlich auch ein Schluck Whiskey, doch das wollte der Referent nicht offiziell bestätigen …

Das erste Mal Junior-b.FAST – So war es im Juni

Da wir gestern ein relatives „junges“ Stammtisch-Thema hatten, haben wir den b.FAST Stammtisch mal unter das Motto „Junior-b.FAST“ gestellt und gehofft, so auch einige Meinungen der jüngeren Nutzer einzuholen. „Ist Facebook schon wieder out?“ haben wir uns gefragt und dies auch gemeinsam in der tatsächlich etwas jüngeren Runde diskutiert.

Junior-b.FAST im Juni
Junior-b.FAST im Juni

Die Meinungen lagen recht nah beieinander. Es ist ja schon länger bekannt, dass Facebook immer älter wird, weil die junge Generation der 14 bis 18-Jährigen sich inzwischen nach anderen Möglichkeiten umsieht. Dafür wächst die Stamm-Nutzerschaft mit und auch immer mehr ältere Menschen melden sich bei Facebook an. Trotzdem mussten wir feststellen, dass Facebook für uns nicht mehr dasselbe ist wie am Anfang. Es wird immer weniger gepostet, die gewerblichen Posts überwiegen immer mehr und die Nutzer verlieren langsam aber sicher das Interesse an der Plattform.

Junior-b.FAST im Juni
Junior-b.FAST im Juni

Wir konnten uns aber auch nicht einig werden über die neue In-Plattform. Instagram war im Gespräch und auch über Snapchat und Whats-App haben wir uns ausgetauscht, aber einen richtigen Boom konnten wir nicht feststellen. Es bleibt also spannend. Was wird die nächste große Sache?

Wir freuen uns schon auf das nächste Mal b.FAST. Vielleicht hat ja dann jemand eine Idee…

Ihr b.FAST Team

Dos und Don’ts für Facebook-Einsteiger und solche, die es werden wollen Teil 2 – Rückblick bFast 08.04.2015

Bei dem b.FAST-Stammtisch im April ging es wieder um das Thema „Dos und Dont’s für Facebook-Einsteiger“. Dabei knüpften wir alle gemeinsam an den Impuls-Vortrag von Dr. Klaus M. Bernsau vom letzten Monat an. Die von ihm präsentierten Dos und Don’ts finden Sie hier. Auch im März wurde nach dem Vortrag schon rege diskutiert, was in Facebook gemacht werden sollte und was ein „No-Go“ ist. Diese Diskussion konnte nun weitergeführt werden.

Die b.FAST Teilnehmer im April
Die b.FAST Teilnehmer im April

Vom kompletten Facebook-Neuling bis zum Facebook-„Profi“ war wieder jeder vertreten, wodurch der eine oder andere Tipp ausgetauscht und viele Fragen beantwortet werden konnten:

  • Wie präsentiere ich mein Unternehmen am besten auf Facebook?
  • Wie kann ich mehr Leute mit meiner Seite erreichen?
  • Was sollte ich auf jeden Fall auf Facebook unterlassen, damit mein Einstieg erfolgreich wird?
  • Wie gehe ich mit Spam/Spammern um?
  • Warum ist Facebook für meine Inhalte die bessere Plattform als Xing? Und ist das tatsächlich so?
  • Wie gehe ich mit fremden Bildern um und was sind die besten Quellen?
  • Und und und…

Wieder wurde schnell klar: Facebook funktioniert definitiv nach dem „learning-by-doing“-Prinzip. Jedoch ist es auch sinnvoll, sich Tipps, Empfehlungen aber auch Warnungen von erfahreneren Nutzern einzuholen, um am Anfang nicht nur auf sich allein gestellt zu sein. Dies kann nämlich schnell überfordern.

Der nächste Stammtisch findet 13. Mai statt. Eine gesonderte Einladung wird es wieder wie immer in Facebook und Xing geben. Am 15. April findet jedoch zum ersten Mal ein Schnupper-Workshop für Facebook-Anfänger statt. Weitere Informationen und Anmeldungsmöglichkeiten gibt es hier auf Facebook und hier in Xing.

Bis zum nächsten Mal!
b.FAST