(5) Wort-Wahl-Weisheiten fürs Web

Bei Stilfragen und Wortwahl spielt das Medium eine relativ geringe Rolle. Ob Ihr Text auf Papier oder am Bildschirm wirken soll – für optimale Lesbarkeit gelten dieselben Regeln. Die wichtigsten habe ich in Abschnitt 1 und 2 zusammengefasst. Ein paar Unterschiede gibt es dennoch; mehr dazu unter 3 und 4.

Leicht überschaubar und bekömmlich sei der Stil! Das gilt eigentlich für alle Medien. Ein paar Spezialitäten gibt es für Bildschirme dennoch.

1 – Lesefreundlicher Stil: die wichtigsten Punkte

  • Besser verbal formulieren als im Nominalstil; Substantive auf “‑ung” vermeiden bzw. in Verben zurückverwandeln:
    • Die Anwendung von Browsern führte zu einer Erleichterung der Nutzung des Internet – wird zu: Seit wir Browser anwenden, können wir das Internet leichter nutzen.
  • Besser aktiv formulieren als passiv:
    • Texte aus Broschüren werden häufig 1:1 für die Website übernommen – wird zu: Texte aus Broschüren erscheinen häufig 1:1 auf der Website oder Firmen übernehmen Texte aus Broschüren häufig 1:1 für ihre Website.
  • Besser anschaulich und konkret als vermeintlich korrekt und langweilig:
    • Sein Arbeitsplatz war durch eine kaum durchschaubare Unordnung gekennzeichnet – wird zu: Sein Schreibtisch glich einer Kampfzone zwischen Türmen aus Papier.

2 – Ballast vermeiden, ohne den Klang zu verlieren

Absätze, Sätze, Wörter … möglichst kurz soll alles sein, was für den Bildschirm geschrieben wird. So weit, so gut. Die ersten Kandidaten für jedes Streichkonzert sind daher sogenannte Füllworter. Sie führen häufig eine – im wahrsten Sinne – bedeutungslose Randexistenz. Der beste Beweis ist die Auslassungsprobe: Die Textaussage bleibt gleich, wenn man sie einfach weglässt.

Dennoch ist nicht jedes Füllwort nutzlos. “Ganz ohne” verlieren Texte leicht ihren Klang:

  • Absätze, Sätze, Wörter … kurz soll alles sein, was für den Bildschirm geschrieben wird. Die ersten Kandidaten für jedes Streichkonzert sind daher Füllworter. Sie führen eine bedeutungslose Randexistenz. Der beste Beweis ist die Auslassungsprobe: Die Textaussage bleibt, wenn man sie weglässt. 

    Der Unterschied zwischen Schreiben und Texten: Wissen, was man weglassen sollte … aber ohne dass der Text Stil und Zusammenhang verliert!

Eine große Hilfe sind Online-Füllwörtertests. Auf Seiten wie  www.schreiblabor.com/fuellwoerter-test können Sie Ihren Text einsetzen und sich Füllwörter anzeigen lassen.
Was jedoch ohne Füllwörter fehlt, ist eine gewisse Verbindlichkeit. Füllwörter schaffen einen Stil, der Gedanken verbindet, Ausnahmen zulässt, Aussagen weniger absolut oder anmaßend klingen lässt. Daher reicht der Auslassungstest allein nicht: Prüfen Sie für jedes Füllwort, ob es tatsächlich verzichtbar ist oder der Text durch das Streichen nicht zu “hart” wirkt.

3 – Interesse vom Rand her aufbauen

Wie schon erwähnt, werden Texte am Bildschirm zuerst und oft ausschließlich überflogen. Zum gründlichen Lesen fehlt die Zeit oder es erscheint zu mühsam. Zwischenüberschriften und andere Orientierungshilfen können dies teilweise ausgleichen; zumindest ein zweites Überfliegen wird damit wahrscheinlicher: Diese Chance gilt es zu nutzen!

Denn nun treten auch erste Inhalte ins Bewusstsein Ihrer Leser: auffällige Stichworte in prominenter Position – vor allem zu Beginn jedes Absatzes, zweitens auch am Absatzende. Wenn Sie wichtige Stichworte bzw. Aussagen an diesen markanten Stellen platzieren, werden auch eilige Leser ein Grundverständnis Ihres Texts gewinnen.

4 – Gut getrennt ist gern gelesen

Bandwurmwortkettenmonster sind eine Spezialität der deutschen Sprache. Leider hemmen sie den Lesefluss extrem – nicht nur am Bildschirm. Um Ihre Texte besser lesbar zu machen, sollten Sie die Ketten auftrennen, wo es sinnvoll ist, z. B.

  • die Unfallversicherungspolice in Police für die Unfallversicherung
  • die Dieselmotorenmanipulationssoftware in Software zur Manipulation von Dieselmotoren
    etc.

Vor allem in Überschriften hilft – zusätzlich – die Kopplung: Ein Bindestrich lässt den Leser zusammengesetzte Begriffe schneller erfassen. Dies gilt besonders, wenn die Einzelbegriffe mehr als zwei Silben lang sind.

Was eine gute Überschrift sonst noch ausmacht, verrät der nächste Teil (6) zum “Schreiben für den Bildschirm”.

Bildquelle: pixabay

Der Autor: Michael A. Schmidt entwickelt seit 1994 werbliche Strategien und Inhalte für  digitale Medien – seit 2011 als freier Werbetexter und Kommunikationsberater.
www.freier-texter-frankfurt.de

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Hinterlassen Sie den ersten Kommentar!

avatar