(3) Leser fesseln: 6 Tricks

Überschrift und Übersicht – das wichtigste zur “Liebe auf den ersten Blick” für Ihre Texte hatte ich im zweiten Teil der Blog-Reihe vorgestellt. Doch wie nutzen Sie danach die Gunst der Stunde? Wie halten Sie das Interesse wach, das Sie am Anfang mit viel Mühe geweckt haben?

Inhalt und Aufbau auf den ersten Blick: So werden Sie gelesen!

Überflieger versus Tapetenschreiber

Bei Texten im Internet treffen häufig zwei feindliche Lager aufeinander: Die einen nutzen den scheinbar unbegrenzten Platz für gnadenlose Ausführlichkeit. Ihre “Tapeten” entrollen sich gefühlt meterlang nach unten. Die anderen scannen Texte nur noch, überfliegen alles, was die Länge einer Twitterbotschaft übersteigt.

Nun lassen sich manche Inhalte unmöglich auf wenige kurze Sätze reduzieren. Doch es gibt bewährte Mittel, Texte so zu gestalten, dass ihre Länge nicht zur sofortigen Leseverweigerung führt. Grundregel dabei:

Verteilen Sie formale und inhaltliche Elemente so, dass der Leser bereits beim schnellen Scrollen einen ersten Eindruck des Inhalts gewinnt!

1 – Zwischenüberschriften

Aussagefähige Zwischenüberschriften sind das Salz der Textsuppe. Sie fallen durch Formatierung, Position und Größe auf, und es gibt keinen Grund, diesen Effekt für Bildschirmtexte nicht eifrig zu nutzen. Eine gut abgestimmte Reihe von Zwischenüberschriften kann sogar ein Abstract ersetzen, mindestens aber den roten Faden zeigen, an dem Sie – hoffentlich – Ihren Text entlang führen.

2 – Absatzintros – die kleinen Geschwister der Zwischenüberschrift. Sie lassen sich praktisch in jeder Art Text einsetzen und verhindern, dass der Text sich über Gebühr ausdehnt. Doch aufgepasst: Nicht jeder erste Satz eignet sich als Absatzintro! Ein Zusammenhang mit den übrigen Zwischenüberschriften und Absatzintros sollte  erkennbar sein.

3 – Listen

Leser mögen Listen. “Die 10 besten Texttipps” hat bessere Chancen, gelesen zu werden, als “Tipps für Ihre Bildschirmtexte“. Dabei gilt:

  • Bullets sind Pflicht; sie sollten überall auftauchen, wo einzelne Elemente oder Aussagen eine Reihe bilden.
  • Nummerierung ist die Kür – und die Erfahrung zeigt, dass ungerade Zahlen (wie 5, 7, 11, 27 …) noch etwas besser ankommen als gerade.
  • Auch Listen sollten keine Tapete bilden. Wenn sehr viel Elemente aufzuzählen sind, empfiehlt sich einen Untergliederung in sinnvolle Blöcke.

4 – Vignettentexte

Zitate, Kernsätze oder andere besonders auffällige Aussagen lassen sich auf verschiedene Weise hervorheben und so zur Auflockerung im Text verteilen.

Eine Vignette muss nicht an der korrekten Stelle im Textfluss stehen, wenn Sie den Vignettentext an anderer Stelle im Kontext wiederholen.

5 – Formatierungen

Ob fett, kursiv, farbig oder als Link erkennbar –  auch mitten im Text können Sie mit einfachen Mitteln wichtige Stichworte hervorheben. So erkennt der Leser nicht nur, worüber Sie schreiben, sondern auch, dass Sie an ihn denken und nicht nur vom munteren Fluss der eigenen Worte begeistert sind.

Überschaubare Happen machen auch lange Texte besser verdaulich.

6 – Kurze Absätze

Schon die Bibel macht es uns vor: Wirklich wichtige Texte sind in gut verdauliche Portionen gegliedert. Selbst in Printmedien wirken seitenlange Absätze abschreckend – vor allem, wenn sie zusätzlich in Blocksatz abgesetzt sind.

Natürlich darf ein Text nicht zerrissen oder zu unruhig wirken. Auf dynamisch programmierten Seiten hat man es auch gar nicht in der Hand, wie lang ein Absatz im Einzelfall ausfällt. In jedem Fall lohnt es sich aber, beim Schreiben für den Bildschirm auf Sinneinheiten zu achten und besser einmal mehr einen Absatz einzufügen.

Weiter geht’s im 4. Teil – mit einem noch gründlicheren Blick ins Textgewerk: Satzbau und Interpunktion.

Bildquelle: pixabay

Der Autor: Michael A. Schmidt entwickelt seit 1994 werbliche Strategien und Inhalte für  digitale Medien – seit 2011 als freier Werbetexter und Kommunikationsberater.
www.freier-texter-frankfurt.de

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